Damit haben wohl die allerwenigsten gerechnet. Nicht mal Dr. Rosemarie Wilcken selbst. Nach bisher unbestätigten Recherchen will Wismars früheres Stadtoberhaupt in das Rennen um den Bürgermeisterposten eingreifen. Damit stehen nun neun Kandidaten fest. Kurz vor dem Ablauf der Bewerberfrist hat die 78-jährige Ehrenbürgerin der Stadt überraschend ihren Hut in den Ring geworfen. Dass sie die älteste Bewerberin um den begehrten Platz im Weißen Haus Rathaus ist, stört sie überhaupt nicht: „Hillary Clinton und Arnold Schwarzenegger sind ebenfalls Baujahr 1947, um nur zwei meiner früheren Amtskollegen zu nennen. Das hinterfragt auch niemand. Alt ist man erst, wenn der Bürgermeister gratuliert, heißt es doch.“
Weitere Amtszeit nach 16 Jahren Pause?
Auf die Frage nach ihrer Motivation reagiert sie ungehalten. „Sehen Sie sich doch mal an, wer sich da alles bewirbt und glaubt, eine großartige Stadt wie Wismar regieren zu können. Junge? Davon haben wir schon drei. Krumpen? Ich bitte Sie. Und Meister? Wird nur der FCH. Ich bin die einzige, die wirklich weiß wie der Hase hier läuft.“ Die agile Rentnerin war schließlich von 1990 bis 2010 Wismars Bürgermeisterin und hat einen großen Anteil an der Entwicklung der Stadt, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. 2002 hat Rosi Wilcken, die von vielen einfach nur Rosemarie genannt wird, Wismar zum Welterbe-Status verholfen. Deshalb ist sie nun folgerichtig vom UNESCO-Sachverständigenbeirat für den Wahlkreis Nr. 12 vorgeschlagen worden.

Wilcken will „ordentlich durchwischen“
Aktuell ist die 78-Jährige vor allem ehrenamtlich im Bereich des Denkmalschutzes aktiv. „Backstein, Backfisch und Back Factory, darum dreht sich mein Leben im Moment. Aber das reicht mir nicht mehr. Ich will wieder in die Politik. Die Familie weiß schon Bescheid und unterstützt mich mental. Mein Mann und ich haben deshalb entschieden, dass wir keine Kinder wollen. Heute Abend sagen wir es ihnen. Sie sehen, ich ordne alles meinem großen Ziel unter.“ Nach eigenen Worten will sie in der Hansestadt mal „ordentlich durchwischen“. Möglich wäre das vom 12. April an, denn dann wählt Wismar das neue (oder alte) Stadtoberhaupt.
Antworten